Unterschwellig depressive Symtpome – lässt sich eine Depression abwenden?
Psychologische Interventionen können bei unterschwelligen depressiven Symptomen effektiv den Beginn einer Depression verhindern, zeigte ein systematischer Review mit Metaanalyse über 30 randomisiert-kontrollierte Studien mit zusammen 7 201 erwachsenen Teilnehmern.
Wenn Menschen leichte, unterschwellige depressive Symtpome aufweisen, könnte in manchen Fällen mit geeigneten Interventionen die Entwicklung einer vollständigen Depression verhindert werden. Die vorliegende Studie untersuchte nun den Effekt präventiver Interventionen zur Verhinderung einer Depression.
Unterschwellig depressive Symtpome – lässt sich eine Depression abwenden?
Wissenschaftler ermittelten dazu in einem systematischen Review in der Metaanalyse-Datenbank Metapsy randomisiert-kontrollierte Studien zu psychologischen Interventionen bei Depression mit Veröffentlichungsdaten bis 1. Mai 2023.
In einer Metaanalyse untersuchten die Autoren Daten individueller Teilnehmer, mit Fokus auf Effekte psychologischer Interventionen auf den Beginn einer Depression innerhalb von 6, 12 und 24 Monaten bei Erwachsenen mit unterschwelligen depressiven Symptomen zu Beginn.
Systematischer Review mit Metaanalyse über 30 randomisiert-kontrollierte Studien
Insgesamt konnten 30 randomisiert-kontrollierte Studien mit zusammen 7 201 Teilnehmern im durchschnittlichen Alter von 49,9 Jahren (+/- 19,2 Jahre) analysiert werden. Jeder 3. Teilnehmer war männlich (n = 2 227; 30,9 %), 68,9 % waren Frauen (n = 4 957). Insgesamt nahmen 3 697 Personen an der jeweilige pychologischen Intervention teil, die Kontrollgruppen umfassten 3 504 Personen. Bei 5 Studien stellten die Autoren ein hohes Bias-Risiko fest, das Ergebnisse beeinflussen könnte.
Psychologische Interventionen waren insgesamt sowie innerhalb von 6 und 12 Monaten mit einer signifikant reduzierten Inzidenz von Depression nach der Behandlung assoziiert, jedoch nicht nach 24 Monaten.
Gesamtzeitraum nach Behandlung:
Inzidenzraten-Ratio, IRR: 0,57; 95 % Konfidenzintervall, KI: 0,35 – 0,93; 18 Studien
Innerhalb von 6 Monaten:
IRR: 0,58; 95 % KI: 0,39 – 0,88; 18 Studien
Innerhalb von 12 Monaten:
IRR: 0,67; 95 % KI: 0,51 – 0,88; 19 Studien
Präventive Effekte waren stärker bei Personen, die nicht zuvor psychotherapeutisch behandelt worden waren (IRR: 0,39; 95 % KI: 0,25 – 0,62) im Vergleich zu Personen mit vorheriger Psychotherapie (IRR: 0,92; 95 % KI: 0,61 – 1,36; p = 0,029; 7 Studien).
Stärkere depressive Symptome (Patient Health Questionnaire-9) und Ängste (Generalized Anxiety Disorder-7) zu Beginn waren mit größerer Reduktion des Risikos einer beginnenden Depression assoziiert.
Die Studien nutzten unterschiedliche Formen der Intervention, mit Telefonaten, Präsenzterminen, internetbasierte Interventionen oder andere. Telefonate schienen effektiver zu sein als andere Formate (p = 0,002). Allerdings basierte dies auf lediglich 2 Studien mit Telefonaten mit 4 Vergleichsformaten.
Weitere Aspekte wie das Alter der Teilnehmer schienen keinen Einfluss auf die Wirksamkeit der präventiven Intervention zu haben.
Risikosenkung für Depression innerhalb eines Jahres besonders gut mit Telefonaten
Die Autoren schließen, dass psychologische Interventionen bei unterschwelligen depressiven Symptomen effektiv den Beginn einer Depression verhindern können.
Weitere Studien sollten die Wirksamkeit von Interventionsmethoden konkreter evaluieren.
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Original Titel:
Psychological interventions to prevent the onset of major depression in adults: a systematic review and individual participant data meta-analysis
Autor:
Buntrock C, Harrer M, Sprenger AA, Illing S, Sakata M, Furukawa TA, Ebert DD, Cuijpers P; IPD-PrevDep Consortium. Psychological interventions to prevent the onset of major depression in adults: a systematic review and individual participant data meta-analysis. Lancet Psychiatry. 2024 Dec;11(12):990-1001. doi: 10.1016/S2215-0366(24)00316-X. PMID: 39572120.