Mythos „Porentiefe Reinheit“
Warum übertriebene Hautreinigung schadet
Porentiefe Reinheit – das sollte nach Vorstellung vieler Menschen das Ziel eines jeden Reinigungsproduktes sein.
Doch wer seine Haut zu oft und mit zu aggressiven Produkten reinigt, schädigt sie oftmals unabsichtlich.
Rosemarie Heim-Schüler, Forschungsgruppe Rosel Heim, erklärt im Interview, welche Fehler häufig bei der Hautreinigung gemacht werden, wie wichtig die natürliche Bakterienflora ist und welche Inhaltsstoffe der Haut mehr schaden als nützen.
Was ist der häufigste Fehler bei der Hautreinigung?
„Viele Menschen reinigen ihre Haut zu oft und mit zu aggressiven Produkten.
Von Natur aus braucht die Haut keine Hilfe, das stetige Abstoßen der oberen Hornschicht sowie die hauteigene Bakterienflora sorgen bereits für eine effektive Reinigung. Durch Rauch, Abgase oder Schminke kann die oberste Hornschicht allerdings verkleben.
Da der Körper diese Fremdstoffe nicht selbstständig abbauen kann, ist Unterstützung gefragt. Die meisten Reinigungsprodukte enthalten jedoch synthetische Tenside, die sowohl die Haut als auch die individuelle Bakterienflora angreifen.“
Stimmt es, dass die Haut porentief rein sein sollte?
„Das stimmt nicht. Die Werbeindustrie nutzt hier erfolgreich die Angst der Menschen vor Krankheitskeimen aus. Neue Forschung zeigt jedoch, dass ein personalisiertes Mikrobiom für die Gesundheit eine wichtige Rolle spielt.“
Wie beeinflusst die hauteigene Bakterienflora die Gesundheit?
„Die Besiedelung der Haut mit Bakterien, Viren und Pilzen beeinflusst die Hautgesundheit maßgeblich und schützt vor dem Eindringen von Krankheitserregern. Wenn symbiotische Bakterien bereits alle Nischen der Haut besiedeln, ist es für krankmachende Mikroben schwierig, sich dort niederzulassen.
In den letzten Jahren hat die Wissenschaft außerdem herausgefunden, dass das Mikrobiom mit dem Immunsystem interagiert und sogar seine Entwicklung unterstützt.
Bei einer Störung der Hautflora durch übertriebene Hygiene oder bakterientötende Chemikalien wird deshalb nicht nur die Außenverteidigung der Haut gefährdet, sondern auch das gesamte Immunsystem geschwächt.“
Welche Inhaltsstoffe sind besonders schädlich für die Hautflora?
„Zu den am häufigsten verwendeten und aggressivsten synthetischen Tensiden zählen Natriumlaurylsulfat und Natriumlaurylethersulfat – auch als SLS und SLES bekannt. Sie entfetten die Haut stark, lösen ihren schützenden Oberflächenfilm auf, greifen die Hornschicht an und schädigen die natürliche Hautflora. Dadurch wird die Haut trocken und rau und bietet Keimen einen idealen Nährboden.
Substanzen, die normalerweise nicht in tiefere Hautregionen geraten, können auf diese Weise in den Körper eindringen und dort das Immunsystem stören.
Auch als hautfreundlich vermarktete Produkte enthalten oftmals altbekannte Chemikalien aus dieser Gruppe.
Die seit einigen Jahren beliebten Mizellenwasser werben mit schonender Reinigung, sind aber letztendlich auch nur mit viel Wasser verdünnte Tenside wie Poloxamere und Betaine.“
Welche Art von Reinigungsprodukten unterstützen die hauteigene Bakterienflora stattdessen?
„Für eine möglichst schonende Reinigung sollten hauteigene Reinigungssysteme imitiert werden. Am besten eignen sich dafür überfettete milchsäurehaltige Emulsionen. Sie erhalten den pH-Wert aufrecht, entfetten nur minimal und schwächen die Bakterienflora nicht, sondern stärken stattdessen den Schutzfilm der Haut.
Die Milchsäure unterstützt das Ablösen abgestorbener Hautzellen, die mitsamt anhaftendem Schmutz von der Emulsion eingehüllt und mit Wasser abgewaschen werden. Es entsteht eine glatte Hautoberfläche, die Anflugkeimen oder Pilzen weder Nährboden noch Nischen bietet.“
Wer gern mehr erfahren möchte, findet weitere Informationen unter www.rosel-heim.de